Die historische Niederlage gegen Griechenland hat bei der deutschen Nationalmannschaft für Ernüchterung gesorgt. Nach dem 0:1 in Augsburg fand Weltmeister Bastian Schweinsteiger in der ARD ungewöhnlich deutliche Worte über den aktuellen Zustand der DFB-Elf.
„Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen“, erklärte Schweinsteiger nach der Partie. Besonders vermisst der ehemalige Nationalspieler aktuell jene Akteure, die eine Partie mit einer individuellen Aktion entscheiden können. „Wir haben nicht mehr die Spieler, die den Unterschied ausmachen“, sagte er.
Als Beispiel verwies Schweinsteiger ausgerechnet auf Griechenland. Konstantinos Karetsas, Christos Tzolis und Vangelis Pavlidis hätten für ihn in diesem Spiel genau diese Qualitäten gezeigt. Aus seiner Sicht verfügte Griechenland damit über Spieler, die in entscheidenden Momenten für einen Unterschied sorgen können.
Für Deutschland sieht Schweinsteiger dagegen noch keine vergleichbare klare Struktur. Besonders im Spielaufbau machte er ein Problem aus. Joshua Kimmich sei aktuell derjenige, der aus der Tiefe kreative Pässe spielen könne. „Wenn der nicht da ist, dann wird es schwierig“, erklärte der frühere Mittelfeldspieler.
Trotz seiner harten Analyse nahm Schweinsteiger allerdings ausdrücklich Jürgen Klopp in Schutz. Der neue Bundestrainer befindet sich seiner Einschätzung nach noch in einer Findungsphase. Nach nur zwei Länderspielen könne niemand erwarten, dass Klopp bereits eine perfekt funktionierende Mannschaft aufgebaut habe.
„Jürgen Klopp ist in der Findungsphase“, erklärte Schweinsteiger. Der Bundestrainer sei schließlich „kein Zauberer“. Es brauche Zeit und harte Arbeit, um aus dem großen Spielerkreis eine Mannschaft zu formen, die den gewünschten Fußball umsetzen könne.
Genau deshalb hält Schweinsteiger auch Klopps Vorgehen mit dem großen Kader grundsätzlich für richtig. Der neue Bundestrainer müsse sich zunächst zahlreiche Spieler anschauen und herausfinden, welche Kombination langfristig funktioniert. Die aktuelle Phase bezeichnete Schweinsteiger deshalb als „reine Testerei“.
Seine Hoffnung richtet sich damit weiterhin auf Klopp. Er erwartet, dass Deutschland in den kommenden Monaten Schritt für Schritt eine neue Identität entwickelt und schließlich den Fußball zeigt, den der neue Bundestrainer vermitteln möchte.
Die Niederlage gegen Griechenland war somit für Schweinsteiger weniger ein endgültiges Urteil über Klopps Arbeit als vielmehr ein deutlicher Hinweis darauf, wie viel Arbeit noch vor der deutschen Nationalmannschaft liegt.
Deutschland sucht seine neue Identität – und Klopp steht vor der Aufgabe, aus vielen Einzelspielern wieder eine Mannschaft zu formen, die auch in engen Spielen den entscheidenden Unterschied machen kann. 🇩🇪
