Kontroversen um Felix Nmechas Tor gegen die Niederlande – was sagt die FIFA dazu?
Das Nations-League-Duell zwischen den Niederlanden und Deutschland am Donnerstagabend in Amsterdam hat bereits während der ersten Halbzeit für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Im Mittelpunkt stand dabei ausgerechnet das Führungstor von Felix Nmecha, das Deutschland in der 32. Minute erzielte. Die Partie endete später 1:1, nachdem Cody Gakpo in der Nachspielzeit für die Niederlande ausglich.
Doch Nmechas Treffer wurde von den niederländischen Spielern heftig kritisiert. Der Grund: Kurz vor dem entscheidenden Angriff lag der niederländische Stürmer Brian Brobbey verletzt auf dem Spielfeld. Aus Sicht der Gastgeber hätte Deutschland den Ball ins Aus spielen sollen, damit Brobbey behandelt werden konnte. Stattdessen lief der deutsche Angriff weiter. Joshua Kimmich spielte den Ball nach vorne, bevor die Situation schließlich bei Nmecha landete, der den Ball zum 1:0 verwertete.
Besonders deutlich fiel die Reaktion von Virgil van Dijk aus. Der niederländische Kapitän protestierte unmittelbar nach dem Treffer beim Schiedsrichter und diskutierte anschließend mit den deutschen Spielern. Auch Denzel Dumfries zeigte sich offenbar äußerst verärgert über die Entscheidung, weiterzuspielen. Medienberichte sprechen von einer hitzigen Szene unmittelbar nach dem Tor.
Aber war das Tor tatsächlich regelwidrig?
Hier liegt der entscheidende Punkt. Eine Verletzung eines Spielers bedeutet nicht automatisch, dass der Schiedsrichter die Partie unterbrechen muss. Grundsätzlich entscheidet der Unparteiische, ob eine Verletzung eine sofortige Unterbrechung erfordert. Auch die Mannschaft, die im Ballbesitz ist, ist nicht grundsätzlich verpflichtet, den Ball ins Aus zu spielen.
Genau deshalb ist zwischen Regelverstoß und Fair-Play-Frage zu unterscheiden. Die Niederländer empfanden die Situation offenbar als Verstoß gegen den Geist des Fair Play. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Nmechas Treffer nach den Fußballregeln hätte aberkannt werden müssen.
Auch der VAR griff in dieser Szene nicht ein, um das Tor wegen der Verletzung zu annullieren. Das Tor blieb bestehen und Deutschland ging mit 1:0 in Führung. Sky führt Nmecha offiziell als Torschützen in der 32. Minute.
Und was sagt die FIFA?
Wichtig ist dabei eine präzise Einordnung: Für dieses konkrete Nations-League-Spiel ist die UEFA zuständig, nicht die FIFA. Deshalb wäre es irreführend, eine konkrete FIFA-Entscheidung zu Nmechas Tor zu behaupten, wenn keine solche offizielle Stellungnahme vorliegt.
Die Diskussion dreht sich vielmehr um die allgemeinen Fußballregeln und die Auslegung des Fair-Play-Gedankens. Die Szene zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Spieler und Fans eine Verletzungssituation bewerten können.
Für Deutschland war Nmechas Treffer zunächst besonders wertvoll, weil er Jürgen Klopp bei seinem Pflichtspieldebüt als Bundestrainer eine Führung bescherte. Am Ende reichte es allerdings nicht zum Sieg: Gakpo erzielte in der Nachspielzeit den Ausgleich zum 1:1.
Damit bleibt Nmechas Tor eine der meistdiskutierten Szenen des Abends – weniger wegen der technischen Ausführung des Treffers als wegen der Frage, ob Deutschland in dieser Situation aus Fair-Play-Sicht hätte anhalten sollen. Eine endgültige FIFA-Entscheidung oder Sanktion gegen Nmecha beziehungsweise Deutschland ist derzeit nicht belegt.
