Jürgen Klopps Heimdebüt als Bundestrainer hatte sich wohl kaum jemand so vorgestellt. Deutschland verlor am Sonntagabend in Augsburg mit 0:1 gegen Griechenland und kassierte damit nicht nur einen bitteren Rückschlag in der Nations League, sondern auch die erste Niederlage in der Geschichte des direkten Duells mit den Griechen. Dimitrios Kourbelis erzielte in der 74. Minute den entscheidenden Treffer.
Nach dem Abpfiff war die Enttäuschung entsprechend groß. Besonders deutlich wurde Bastian Schweinsteiger, der die aktuelle Situation der Nationalmannschaft kritisch einordnete. Der Weltmeister von 2014 sagte als ARD-Experte: „Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen.“ Aus seiner Sicht fehlt Deutschland derzeit vor allem an Spielern, die aus schwierigen Situationen heraus den Unterschied machen können.
Dabei ist die Kritik nicht ausschließlich auf Klopp gerichtet. Der neue Bundestrainer nahm die Verantwortung für die Niederlage selbst auf sich. Er verwies darauf, dass er gegenüber dem 1:1 gegen die Niederlande fünf Veränderungen vorgenommen hatte und die Entscheidung für die Aufstellung sowie die Zusammensetzung des Teams vollständig bei ihm gelegen habe. Gleichzeitig betonte Klopp, dass die Mannschaft erst seit kurzer Zeit zusammenarbeite.
Auch Joshua Kimmich fand nach der Partie deutliche Worte. Deutschland habe zu statisch und zu wenig kreativ gespielt. Trotz viel Ballbesitz gelang es der DFB-Elf nur selten, die griechische Defensive entscheidend unter Druck zu setzen. Griechenland verteidigte kompakt und nutzte seine Möglichkeiten konsequenter.
Damit steht Klopp nach zwei Spielen zunächst ohne Sieg da. Auf das 1:1 gegen die Niederlande folgte nun die Heimniederlage gegen Griechenland. Deutschland hat dadurch aktuell lediglich einen Punkt auf dem Konto, während Griechenland mit sechs Punkten die Gruppe anführt.
Von einem gescheiterten Neustart zu sprechen, wäre allerdings nach gerade einmal zwei Länderspielen verfrüht. Klopp selbst bezeichnete die aktuelle Phase als Prozess und machte deutlich, dass zunächst eine Mannschaft entstehen müsse. Gleichzeitig zeigt die Niederlage, wie groß die Baustellen weiterhin sind.
Die kommenden Spiele werden deshalb besonders wichtig. Klopp braucht nicht nur Ergebnisse, sondern auch klare Fortschritte bei Spielaufbau, Kreativität und Chancenverwertung. Der Traumstart ist nach dem 0:1 zweifellos ausgeblieben – doch die eigentliche Bewertung seiner Amtszeit wird erst nach einer längeren Entwicklungsphase möglich sein.
