Rund um den Start der Nations League unter Jürgen Klopp sorgt derzeit eine zugespitzte Geschichte für Gesprächsstoff. Dem neuen Bundestrainer wird eine äußerst scharfe Aussage über die Rolle des FC Bayern München in der deutschen Nationalmannschaft zugeschrieben. Doch bei genauerem Blick auf die belegten Aussagen ergibt sich ein anderes Bild.
Die Behauptung, Klopp habe sinngemäß erklärt, er würde lieber sämtliche Bayern-Spieler aus der Nationalmannschaft verbannen, als den Einfluss des Vereins zu akzeptieren, ist in den offiziellen Aussagen des DFB nicht zu finden. Belegt ist vielmehr, dass Klopp bei seinem ersten Kader insgesamt neun Bayern-Spieler berücksichtigte. Dazu gehören unter anderem Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Serge Gnabry, Jonathan Tah und Jonas Urbig.
Besonders deutlich wurde Klopps Haltung bei Joshua Kimmich. Der neue Bundestrainer bestätigte ihn als Kapitän und kündigte gleichzeitig an, ihn wieder im zentralen Mittelfeld einzusetzen – genau dort, wo Kimmich auch beim FC Bayern spielt. Klopp erklärte, dass er keinerlei Zweifel an Kimmichs Qualität und seinem Potenzial habe.
Auch beim Verhältnis zu den Vereinen zeichnet sich kein grundsätzlicher Konflikt ab. Schon vor der ersten Kadernominierung hatte Klopp erklärt, dass er ein gutes Verhältnis zu den Klubs aufbauen wolle. Er weiß, dass die Nationalmannschaft auf die Arbeit der Vereine angewiesen ist und dass Fitness und Zustand der Spieler eine wichtige Rolle spielen.
Damit wird auch die angebliche Auseinandersetzung mit Vincent Kompany fragwürdig. Eine bestätigte 13-Wort-Antwort des Bayern-Trainers auf die vermeintliche Klopp-Aussage ist in den verlässlichen Quellen nicht auffindbar.
Tatsächlich äußerte sich Kompany im Zusammenhang mit Klopps erstem DFB-Kader positiv über die Zukunft des deutschen Fußballs. Besonders bei Bayern-Torhüter Jonas Urbig zeigte er Vertrauen und erklärte, der junge Keeper werde irgendwann Deutschlands Nummer eins werden – wann das geschehe, entscheide allerdings der Bundestrainer.
Interessant ist deshalb weniger ein angeblicher persönlicher Streit zwischen Klopp und Kompany, sondern die tatsächliche Zusammenarbeit zwischen Nationalmannschaft und FC Bayern. Klopp setzt beim Neustart stark auf Münchner Spieler, während Kompany seine Profis gleichzeitig für die Aufgaben beim Verein vorbereiten muss.
Gerade während einer langen Länderspielpause können unterschiedliche Interessen bei Belastung, Einsatzzeiten und Fitness immer wieder zum Thema werden. Einen offenen Konflikt zwischen Klopp und Kompany belegen die aktuellen Quellen jedoch nicht.
Die Geschichte vom angeblichen „Bayern-Bann“ klingt spektakulär – die bislang belegbaren Fakten erzählen allerdings eine deutlich andere Geschichte: Klopp setzt beim Neustart der deutschen Nationalmannschaft weiterhin auf die Stars des FC Bayern. 🇩🇪🔴⚪